Versuche, die in die Hose gingen

Aktualisiert: Juni 11

Nachdem ja jetzt bis mindestens September Alles, aber auch wirklich Alles an geplanten Reisen, Workshops, Hochzeiten, Geburtstagen und Sonstigem ausgefallen ist oder ausfallen wird, habe ich mir eine neue Aufgabe gesucht. Ich fotografiere unser Essen.

Ich weiß schon, ist nicht besonders originell, doch Uli und ich Kochen und Essen gerne. Zur Zeit sowieso nur noch zu Hause - also Essen - und Foodfotografie reizt mich schon länger. Ich hätte jedoch nie gedacht, wie schwierig das werden wird. Mir ist nämlich wichtig, keine Industrie-Werbebilder zu schießen (könnte ich wahrscheinlich auch nicht), sondern ich habe da einen gewissen Look im Kopf, der sich, zugegeben, an den aktuellen Foodblogs und neuen Kochbuchbildern orientiert. Außerdem möchte ich das fotografierte Essen auch noch wirklich zu mir nehmen können und nicht irgendwie behandeln, um es dann wegzuwerfen.


Um da aber erst mal hinzukommen, begann ich zu üben. Das sieht aktuell so aus:

Erstens: Wir kochen, Uli hat Hunger.

Zweitens: Ich möchte ein Bild davon machen.

Drittens: Uli hat Hunger.

Viertens: Ich muss ins Studio, ohne über Cosmo zu stolpern.

Fünftens: Uli hat Hunger. Der Hinweis auf "Es ist aber noch sehr heiß" hilft nicht.

Sechstens: Foto gemacht, mit vorher vage vorbereiteten Einstellungen und zurück über Cosmo gestolpert zum Esstisch.

Siebtens: Zunge verbrannt.

Achtens: Später das Bild am Monitor angeschaut, um festzustellen, so was würde ich nie essen.

Neuntens: Erkenntnis! Am Ablauf muss ich noch drehen.


Okay, das war jetzt ein klitzekleines bisschen überspitzt. Denn die meisten Speisen waren noch kalt und warteten auf die Zubereitung. Trotzdem hatte Uli Hunger. Ich muss echt was am Ablauf drehen. Aber seht selbst.


Kindergeburtstag:

Bei Grün gehen, bei Rot stehen. Naja, nette Idee, aber sonst... .


Damit fing eigentlich Alles an. Das ist allerdings eine andere Geschichte.

Doch merken: Rohes Fleisch muss wirklich frisch aus der Theke/Verpackung kommen und Ölpfützen darauf kommen auch nicht gut.


Diesmal zwar frischer, doch die Blende war zu offen. Also ab auf den Grill.


Jetzt schauen zwar Erbsen und Fleisch gut aus, doch die Kartoffelspalten wirken vertrocknet. War nur in Echt gar nicht so.


Neue Idee. Mit dem iPhone beim Grillen drauf halten. In der linken Hand die Grillzange, in der rechten das Telefon. Schöne Flammen und Rauchentwicklung. Das finde ich authentisch, denn wer hat schon einen blankpolieren Grillrost zu Hause. Mit kontrolliertem Fotografieren hat das aber nichts zu tun.


Jetzt mal mit ein bisschen mehr Zeit.

Ich glaube, das Licht stimmt so einigermassen, ein Post-It auf dem Glas ist vielleicht doch nicht die richtige Lösung. Dann noch die Tomaten auf den Salat und den Knoblauch hinlegen. So könnte es was werden.


Die Brathendl-Studie. BÄH,BÄH, BÄH.

Ich meine das Bild. Ihr müsst euch vorstellen, ich laufe mit einem brutzelndem Hendl ins Studie, stolpere wieder mal über Cosmo, schieße ein, zwei Bilder stolpere mit dem immer noch brutzelndem Hendl wieder hoch und habe dann das leckerste Hendl seit langem auf dem Teller. Sieht man nur nicht. Schade.


Neuer Anlauf. Kein Zeitdruck, die Früchte vorher befeuchtet, damit es frisch rüber kommt, doch dann Orangenhaut. Okay, Licht war doch zu hart.


Dahin sollte das Bild mit den Orangen und Erdbeeren führen. Zum Orangen-Erdbeeren-Weißwein-Smoothie. Ich glaube jetzt stimmt das Licht, aber Dank der Wärme der Einstelllichter schmelzen die Eiswürfel in kürzester Zeit. Das stört mich in diesem Fall mal nicht so sehr, doch für die Zukunft, schneller sein.


Mein Lieblingsbild. Draußen, Sonne von hinten und im Glas lecker Rhabarberketchup.

So einfach kann das sein.


Zum Abschluss, jetzt noch vielen lieben Dank an Chris, der mich bei fast allen Bildern im Nachhinein beraten, mich auf meine technischen Fehler hingewiesen hat und letztendlich Schuld daran ist, das die Eiswürfel im Studio so schnell schmelzen.

Danke Chris! Um dich weiterhin zu ärgern, habe ich jetzt das freie Format wieder eingeführt ;-)